MST-Ausbildung – Wege in die Mikrosystemtechnik

Die Mikrosystemtechnik (MTS) zählt zu den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Eine Vernetzung elektronischer, mechanischer, fluidmechanischer und optischer Funktionen und Technologien auf engstem Raum erlaubt die Entwicklung intelligenter integrierter Systeme, die das Alltagsleben bereichern.

In Mikrosystemen wirken Aktoren, Sensoren und Datenverarbeitung zusammen. Die Herstellung komplexer Systeme erfordert daher Methoden und Verfahren aus verschiedenen Mikrotechnologien wie der Mikromechanik, der Mikrofluidik, der Mikroelektronik und der Mikrooptik. Die Verbindung der einzelnen Elemente zu einem System erfolgt in Form diskreter Komponenten oder monolithisch in Halbleitermaterialien (Gallium-Arsenid oder kristallines Silizium). Typische Dünnschichttechniken kommen dabei ebenso zum Einsatz wie Abform- oder Ätztechniken. Die MST nutzt außerdem unterschiedlichste Werkstoffe wie Metalle, Keramiken, Halbleiter, Kunststoffe, Sol-Gel-Materialien und viele weitere.

Da Mikrosysteme zu den wesentlichen Innovationstreibern gehören und einen relevanten Beitrag zur Wertschöpfung leisten, kommt heute kaum noch eine Branche ohne sie aus. Für Produkte aus den Ressorts Sensorik, Aktorik, Mikroelektronik und Mechatronik bieten sich vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel in der Produktionstechnik oder in der Medizintechnik.

Das Berufsbild von Mikrotechnologinnen und -technologen

Aufgaben und Tätigkeiten

Die Tätigkeit als Mikrotechnologe und Mikrotechnologin bietet ein interessantes, abwechslungsreiches Arbeitsgebiet, das jedoch auch eine erhebliche Verantwortung mit sich bringt.

Mikrotechnologinnen und -technologen obliegt die Fertigung kleinster Bauteile wie Mikrochips, Halbleiterkomponenten und Mikrosystemen. Sie kommen in allen Phasen des Herstellungsprozesses zum Einsatz. Bei ihrer Arbeit müssen sie geltende Arbeitsschutzvorschriften und Vorgaben zum Umweltschutz beachten. Besonders wichtig hierbei sind die sachgerechte Aufbereitung der während der Produktion eingesetzten Chemikalien sowie die sichere Entsorgung von Abfallstoffen.

Da die mikrotechnischen Bauteile bereits durch kleinste Staubpartikel Schaden nehmen können, erfolgt die Herstellung unter Reinraumbedingungen. In den Aufgabenbereich von Mikrotechnologen und -technologinnen fallen deshalb auch die Schaffung und die Aufrechterhaltung der entsprechenden Voraussetzungen. Oftmals ist in den Berufen der Mikrotechnologiebranche das Tragen von Schutzanzügen notwendig.

Weitere Tätigkeitsbereiche finden sich in der Einrichtung von Produktionsanlagen für den Fertigungsprozess, deren Überwachung im laufenden Betrieb und in der möglichst schnellen Reaktion auf Störungen. Darüber hinaus überprüfen Mikrotechnologinnen und -technologen die Qualität der Produkte. Zu diesem Zweck führen sie schon während der Produktion begleitende Prüfungen und danach eine abschließende Testreihe durch und protokollieren die Ergebnisse. Sie sind außerdem dazu angehalten, Optimierungsmöglichkeiten bezüglich der Produktqualität, der Fertigungszeiten sowie der Effizienz aufzuspüren und diese gegebenenfalls umzusetzen.

Einkommen

Allgemeingültige Aussagen zum Gehalt von Mikrotechnologen und -technologinnen lassen sich nicht treffen. Der Verdienst richtet sich unter anderem nach der Berufserfahrung, der Branche und dem Arbeitsort. Ist der Arbeitgeber tariflich gebunden, gilt für das Einkommen eine feste Tarifverordnung, die beispielsweise von der Branche und der Region abhängt.

Über das Einstiegsgehalt unmittelbar nach der Ausbildung entscheidet die tarifliche Vergütungsgruppe. Ausgelernte Mikrotechnologinnen und -technologen finden sich in der Regel zunächst in der niedrigsten Gehaltsgruppe für Angestellte mit abgeschlossener Berufsausbildung wieder. Die Metall- und Elektroindustrie bietet Berufseinsteigern zum Beispiel zwischen 2.300 und 2.800 Euro brutto im Monat. Mit entsprechender Berufserfahrung kann die tarifliche Bruttovergütung in einigen Branchen auf 2.773 bis 3.224 Euro monatlich ansteigen. Zum Teil zahlen die Arbeitgeber Zulagen und Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld, 13. Monatsgehalt und vermögenswirksame Leistungen.

Berufliche Perspektiven

Mikrotechnologische Bauteile sind in immer mehr Alltagsgeräten enthalten. Wurden Autos oder Kaffeemaschinen früher ohne solche Teile produziert, kommen sie mittlerweile kaum noch ohne Mikrochips aus. Deutschland hat sich nicht nur als wichtiger Hersteller dieser Komponenten profiliert, sondern auch als maßgeblicher Standort in Sachen Forschung. Gut ausgebildete Mikrotechnologen und -technologinnen gelten als sehr begehrt und profitieren von ausgezeichneten Einstellungschancen. In Hinblick auf die technische Entwicklung ist zu erwarten, dass dieser Prozess sich weiterhin fortsetzt und auch in Zukunft sehr gute Aussichten auf einen schnellen Einstieg in diesen Beruf bestehen.

Angehende Mikrotechnologinnen und -technologen können ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt im Verlauf der Ausbildung durch den Erwerb zusätzlicher Qualifikationen verbessern. Diese von Berufsschulen, Betrieben und Kammern angebotenen Zusatzqualifikationen umfassen sowohl allgemeine als auch berufsbezogene Kenntnisse und Fertigkeiten. Bescheinigt wird die Teilnahme an diesen Schulungen in der Regel durch ein Zertifikat oder ein Zeugnis. Einige dieser Qualifizierungen lassen sich sogar auf spätere Weiterbildungen anrechnen. Andere bilden das Fundament für den Einstieg in besondere Tätigkeitsfelder oder eine Spezialisierung auf bestimmte Arbeitsgebiete wie zum Beispiel die hydraulische Steuerungstechnik. Für Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss besteht an den Berufsschulen gegebenenfalls die Option, die Fachhochschulreife zu erwerben.

Mikrotechnologen und -technologinnen, die beruflich vorankommen möchten und eine leitende Position anstreben, empfiehlt sich eine Aufstiegsweiterbildung, beispielsweise zur Technikerin beziehungsweise zum Techniker. Personen mit Hochschulzugangsberechtigung können darüber hinaus ein Studium in Erwägung ziehen.

Arbeitsbedingungen

Mikrotechnologen und -technologinnen arbeiten oft in Labors und Fertigungsstätten innerhalb von Reinräumen. Der Umgang mit sehr kleinen Chips oder chemischen Substanzen erfordert eine hohe Präzision und Konzentration. Besonders strenge Qualitätsanforderungen stellen die Bestückung von Chips oder die Oberflächenbeschichtung in der Nanotechnologie. Bei der Verwendung von Ätzmitteln und Dotierungsgasen sowie der umweltgerechten Wiederaufbereitung oder Lagerung der eingesetzten Arbeitsmittel ist eine umsichtige Vorgehensweise unverzichtbar. Sorgfalt ist auch beim Einsatz hochpräziser Maschinen, Anlagen, Prüf- und Messfelder geboten.

Die Tätigkeit in Reinräumen unterteilt sich in verschiedene Klassen. Je nach Klasse ist das Tragen von Spezialanzügen oder bestimmter Schutzkleidung mit Handschuhen, Haube und Mundschutz Pflicht. Da einige Arbeitsprozesse bei der Herstellung von Halbleitern nicht unterbrochen werden dürfen, sind Mikrotechnologinnen und -technologen zum Teil in Wechselschicht beschäftigt.

Die Ausbildung zum Mikrotechnologen/zur Mikrotechnologin

Wer den Beruf der Mikrotechnologin beziehungsweise des Mikrotechnologen erlernen möchte, durchläuft eine duale Ausbildung, die sowohl in der Berufsschule als auch im Ausbildungsbetrieb stattfindet. Während im ersten Ausbildungsjahr allgemeine Grundlagen vermittelt werden, erfolgt ab dem zweiten Jahr eine Vertiefung in den Schwerpunkten Mikrosystemtechnik oder Halbleitertechnik sowie in einem schwerpunktspezifischen Einsatzgebiet. In der Mitte des zweiten Lehrjahres findet eine Zwischenprüfung statt, nach Abschluss des dritten Ausbildungsjahres eine Abschlussprüfung.

Teilnehmer und Teilnehmerinnen von betrieblichen Einstiegsqualifizierungen (EQ) durchlaufen ein sechs- bis zwölfmonatiges Betriebspraktikum. Bei Erfüllung bestimmter Bedingungen, beispielsweise der Berufsschulpflicht, und in Abhängigkeit vom jeweiligen Bundesland wird dieses Praktikum durch den Unterricht in einer Berufsschule ergänzt.

Dauer der Ausbildung

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Ist zu erwarten, dass das Ausbildungsziel in kürzerer Zeit erreicht wird, hat die zuständige Stelle auf einen gemeinsamen Antrag von Ausbildenden und Auszubildenden hin die Möglichkeit, die Dauer der Ausbildung zu verkürzen. Die Verkürzungsdauer fällt unterschiedlich lang aus. Sie hängt insbesondere von der Vorbildung ab. Der Antrag kann sich bei berechtigtem Interesse auch auf eine Herabsetzung der täglichen beziehungsweise wöchentlichen Ausbildungszeit beziehen (Teilzeitberufsausbildung).

Die Landesregierungen können außerdem über eine Anrechnung der Bildungsgänge berufsbildender Schulen oder der Berufsausbildung in anderen Einrichtungen entscheiden. Voraussetzung hierfür ist ebenfalls der gemeinsame Antrag von Ausbildenden und Auszubildenden an die verantwortliche Stelle. Sofern die Leistungen es rechtfertigen, können Auszubildende nach Anhörung der Berufsschule und der Ausbildenden auch schon vor Ende der Ausbildungszeit ihre Abschlussprüfung ablegen. In diesem Fall beträgt die Verkürzungsdauer meist sechs Monate. Für Auszubildende, die erfolgreich an einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung teilgenommen haben, ist unter Umständen ebenfalls die Verkürzung der Ausbildungsdauer möglich.

Sofern erforderlich, kann die zuständige Stelle die Lehrzeit in Ausnahmefällen auch verlängern.

Art des Abschlusses

Die Abschlussprüfung erfolgt bei der Industrie- und Handelskammer auf Grundlage der Verordnung über die Berufsausbildung zum Mikrotechnologen/zur Mikrotechnologin. Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung sind bei einer Ausbildung in Berufsschule und Betrieb obligatorische schriftliche Ausbildungsnachweise und die Teilnahme an den geforderten Zwischenprüfungen.

Zugelassen wird auch, wer die Lehre in einer berufsbildenden Schule oder einer anderen Berufsbildungseinrichtung absolviert hat. Der jeweilige Bildungsgang muss jedoch der Ausbildung in einem anerkannten Lehrberuf entsprechen. Ebenfalls an der Prüfung teilnehmen darf, wer nachweisen kann, dass sie oder er mindestens das Eineinhalbfache der als Ausbildungsdauer vorgeschriebenen Zeit in dem Beruf tätig war, in dem er oder sie die Prüfung ablegen möchte.

Die Zwischenprüfung in der Mitte des zweiten Lehrjahres besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil, die Abschlussprüfung aus dem praktischen Teil A und dem schriftlichen Teil B. Sind die Prüfungsergebnisse in der schriftlichen Prüfung nicht eindeutig, kann zusätzlich eine mündliche Prüfung durchgeführt werden. Bei Nichtbestehen der Prüfung ist nach dem Berufsbildungsgesetz eine zweimalige Wiederholung möglich.

Zugangsvoraussetzungen

Wie bei allen anerkannten und nach der Handwerksordnung oder dem Berufsbildungsgesetz geregelten Ausbildungsberufen wird auch bei diesem grundsätzlich vom Gesetzgeber keine konkrete schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben. Die Betriebe bevorzugen jedoch zumeist angehende Mikrotechnologinnen und -technologen mit Hochschulreife. Da sich fachkundiger Nachwuchs in der Zukunftsbranche Mikrotechnologie einer großen Nachfrage erfreut, bieten sich indes auch Quereinsteigern und Quereinsteigerinnen gute Chancen, die sich per Umschulung für die Tätigkeit in diesem Bereich qualifiziert haben.

Finanzierung der Ausbildung

Auszubildenden in einer dualen Ausbildung steht eine Ausbildungsvergütung zu, die sich hauptsächlich nach tarifvertraglichen Vereinbarungen richtet. Die Höhe hängt ab vom Ausbildungsbereich und von der jeweiligen Branche. Der räumliche Geltungsbereich des Tarifvertrages kann die Höhe der Vergütung ebenfalls beeinflussen. Ist der Ausbildungsbetrieb nicht tarifgebunden, sind auch frei vereinbarte Ausbildungsvergütungen möglich.

In der Metall- und Elektroindustrie betragen die monatlichen Vergütungen:

  • im 1. Ausbildungsjahr: 814 bis 906 Euro
  • im 2. Ausbildungsjahr: 886 bis 954 Euro
  • im 3. Ausbildungsjahr: 953 bis 1.038 Euro

Diese Angabe gilt nur als Orientierung. Ansprüche lassen sich daraus nicht ableiten.

Für die Ausbildung im Betrieb werden keine Kosten fällig. Für den Berufsschulunterricht können Lernmittelkosten, Fahrtkosten und gegebenenfalls auch Kosten für eine auswärtige Unterbringung entstehen. Unter bestimmten Voraussetzungen erhalten die Auszubildenden Berufsausbildungsbeihilfe (BAB).

Weiterbildungsmöglichkeiten

Wer fachlich immer auf dem neuesten Stand bleiben, sich spezialisieren, beruflich vorankommen oder sich selbstständig machen möchte, kann die erforderlichen Kenntnisse durch die Teilnahme an Weiterbildungen erwerben.

Für die fachliche Anpassungsweiterbildung bietet sich ein breit gefächertes Themenspektrum an, das von der Elektronik und der Mechatronik über die Elektroinstallationstechnik bis hin zur Mikrotechnik reicht. Die Spezialisierung auf spezifische Einsatzgebiete ist in Bereichen wie der Herstellung oder der Qualitätssicherung von Halbleitern und mikrotechnischen Komponenten denkbar. Darüber hinaus sind zum Beispiel folgende Qualifizierungslehrgänge verfügbar:

  • Mikrotechnik, Nanotechnik, Leiterplattentechnik
  • Elektrische Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik
  • Nachrichtentechnik, Kommunikationstechnik
  • EDV-Anwendungen in der Elektrik/Elektronik
  • Arbeitssicherheit, Arbeitsschutz – Elektronik/Elektrotechnik

Vielfältig ist auch die Palette der Angebote zur Aufstiegsweiterbildung. Naheliegend ist die Prüfung zum Techniker beziehungsweise zur Technikerin in den Fachrichtungen Leiterplattentechnik oder Mikrosystemtechnik. Des Weiteren bieten sich an:

  • Industriemeister/in Elektrotechnik
  • Technische/r Fachwirt/in
  • Geprüfte/r Prozessmanager/in
  • Staatlich geprüfte/r Techniker/in Mikrosystemtechnik
  • Staatlich geprüfte/r Techniker/in Leiterplattentechnik

Mikrotechnologinnen und -technologen mit Hochschulzugangsberechtigung steht der Weg zu einem Studium oder Fernstudium offen, beispielsweise der Bachelorabschluss in Mikrotechnik, Mikrosystemtechnik oder Nanowissenschaft. Auch ohne schulische Zugangsberechtigung ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Hochschulausbildung realisierbar. Die Bedingungen unterscheiden sich jedoch in den einzelnen Bundesländern.

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